Als ich um 05.30, noch fast mitten in einer feuchtschwülen und teils durchwachten Nacht, vom sanften Getute meines Weckers, in die harte Realität der für heute vereinbarten Tagestour drangsaliert
werde, stelle ich mir genau diese Frage. Udo, Tobi und Peter übrigens ebenfalls, wie ich später erfahren soll.
Etwas später -ich lade gerade das Bilke auf den Fahrradträger- wieder das Mobilphone, Udo, wie ich am Display sehe. Will wissen, ob´s bei mir auch nieselt; dem ist so. Egal, wir beschließen, daß
das Wetter heute hält. Peter und Tobi wohl ebenfalls, stehen doch beide zur vereinbarten Zeit motiviert am Treffpunkt. Ein bißchen noch müde Frühstückskonversation und schon treten wir die ersten
paar Meter unserem Ziel entgegen, es sind ja eh nur ein paar Meter, treten halt.
Der Ernst beginnt, 1.400 Hm Aufstieg, es nieselt immer wieder ein wenig, Udo und Tobi rennen davon, Peter und ich trotten hinterher.
Pause nach der Hälfte, in einer komfortablen Berghütte; bis dahin ging´s ja eh recht locker. Und für den Rest bereite ich mich mit einer Suppe samt Wianerle vor. Es ist kalt und zugig,
vereinzelte Gedanken an einen Abbruch der Tour tauchen auf. Doch es siegt, wie fast immer, der Wille, das gesetzte Ziel zu erreichen. Rad erneut auf den Buckel und weiter. Latschen machen ein
Weiterkommen mühsam, weichen schließlich der Höhenlage. Inzwischen verwöhnen uns blauer Himmel und Sonnenschein. Ich finde meinen meditativen Tritt und ehe ich es mir versehe, ist das
Aufstiegsziel erreicht.
Panorama genießen, Händeklopfen zum freudigen Berg-Heil, mampfen, Red Bull Cola, ein paar Fotos noch, schon stecken wir alle behelmt und behandschuht in unseren Protektoren, und scharren
ungeduldig mit den Füßen; der Trail unter uns lockt mit der Kraft von Sirenen.
Genußvoll kämpfen wir uns dem Tal entgegen, bis uns Regen und Graupelschauer ein Weiterkommen erheblich erschweren. Geht trotzdem, hat aber den einen oder anderen Abgang zur Folge, wobei ich mal
den Anfang mache und in die Alpenrosen abzweige. Regen aus und der Trail ist fast augenblicklich wieder ziemlich trocken. Und dann noch einmal Regen, diesmal stark. Von vielen Bergschuhen rund
getretene Steine und Felsplatten gewinnen an Tücke. Irgendwie ist uns das allen jetzt zunehmend egal, soll´s doch hinten und vorne rutschen, geht auch, wenn man es zulässt. Bis wir schließlich
die Autos erreichen, sind wir patschnass, schlammverkrustet und auch rundum zufrieden.
Die Erleichterung: meine kleine, nicht abgedichtete, Canon D 500 hat die abbekommenen Regenspritzer heil überlebt.
Ein paar frische Klamotten sind schnell übergezogen und das Weizen zum Ausklang schmeckt heute besonders gut. Wir lassen noch ein paar Highlites revue passieren und planen schon wieder heftig an
der nächsten Mördertour. Daß Peter dabei am Tisch die Augen fast zufallen, liegt sicher nicht daran, dass er etwa müde wäre; die anderen sind das natürlich auch nicht. Woher denn auch, war ja nur
ein Klacks!
Autor: julius