Dauertest Trek Powerly 9 LT Plus

Mit 4 Bikes im Einsatz ist das Trek Powerly 9 LT Plus in unserer Runde sehr beliebt. Zufall? Sicher nicht, wie unsere Erfahrungen zeigen, die wir seit August 2016 auf ca. 6000 Kilometer, meist auf Trails, sammeln konnten.

Auftritt und Ausstattung: Während das Modell 2017, in Schwarz mit roter Beschriftung, mit seinem aufgesetzten Akku, der allerdings systembedingt unübertroffen schnell und mühelos gewechselt werden kann, für Designverliebte noch etwas bider wirken mag, kommt das aktuelle Modell 2018 mit Semi-Integration des Bosch Akkus und auffälligem Minium Orange echt rattenscharf daher – ein Hingucker! Im Kern, sprich bei Rahmengeometrie und -daten, und somit in den Eigenschaften, sind die beiden Modelle allerdings ident.

Als Antrieb dient der Bosch Performance CX Motor, ein Kraftpaket, das hier nicht weiter erläutert werden muss. Der Boost Standard mit Plus Bereifung auf den hauseigenen Bontrager Laufrädern gibt ein wuchtiges Aussehen mit, das Vertrauen weckt. Ebenso die SRAM Guide RS Bremsen mit 200/180 Rotoren v/h bzw. seit dem Modell 2018 Guide RE vorne und hinten mit 200 mm Rotoren. Die SRAM EX1 8-fach Schaltung mit einer Spreizung von 11-48 Zähnen ist speziell für E-MTB entwickelt und markiert den Stand der Technik. Als Gabel werkt im Modell 2017 eine Pike RC SoloAir mit 150mm travel, im Modell 2018 eine Fox Performance 36 Float mit ebenfalls 150 mm. Der Dämpfer für den Hinterbau ist ein RockShox Deluxe RT3, 3-Positionen-Dämpfer RE:aktiv, vom Trek Suspension Lab abgestimmt, der ebenfalls 150 mm travel bereitstellt. Die Sattelstütze von Bontrager hat interne Kabelführung, was eh Standard sein sollte, und bietet 125 mm travel. Trek Spezifikas sind das knock-block Steuerlager, das den Lenkeinschlag begrenzt um Beschädigungen zu verhindern (was einzig beim Verstauen des Bikes im Kofferraum etwas stören kann) und das Mino Link im Hinterbau. Mit dem Mino Link lässt sich die Geometrie innerhalb einer halben Minute auf persönliche Vorlieben und Gelände anpassen, indem der Lenkwinkel von 66° auf 66,5° bzw. vice versa verstellt wird, was auch das Tretlager etwas anhebt bzw. absenkt.

Mit diesem Paket liefert Trek ein Bike ab, an dem es -außer den Reifen- nichts zu ändern gibt. Pedale anschrauben und ab auf den Trail!

Fahreigenschaften: Bevor es auf den Trail geht, steht die Abstimmung des Fahrwerks auf dem Programm. Da sowohl die Gabel als auch der Dämpfer mit einer aufgedrucktenSak-Skala glänzen, ist das schnell erledigt, vor allem wenn man das zu zweit macht. Als erstes fällt auf, dass das Powerfly recht lang ist, was viel Laufruhe mit sich bringt aber auch nachdrückliche Kommandos des Piloten verlangt, vor allem beim Hinterrad-Versetzen in Spitzkehren. Ich habe mich dann auch schnell für die Mino Link Position mit dem steileren Lenkwinkel entschieden, während die Kollegen mehr auch die unerschütterliche Laufruhe setzten.

Im technisch herausfordernden „uphillflow“ glänzt das Powerfly, das Vorderrad klebt auf dem Untergrund und der limitierende Faktor findet sich eigentlich immer beim Piloten, der irgendwann mit pfeifenden Lungen und brennenden Muskeln die weiße Flagge hisst. Das Fahrwerk arbeitet dabei an Front und Heck sehr sensibel und ist bestens ausbalanciert; ein perfekter Kontakt des Vorderrads und fast ununterbrochene Traktion geben sich die Hand. Die EX1 Schaltung lässt immer nur einen Gangsprung zu, was gut ist. Dass die Gänge oft mit einem lauten Krachen einrasten, ist den großen Sprüngen geschuldet, schmerzt aber lediglich anfangs im Ohr und nicht beim Material. Für den perfekten „uphillflow“ trägt aber auch der recht neue EMTB-Modus des Bosch Antriebs wesentlich bei. Damit fährt es sich so smooth wie mit einem Doppelkupplungsgetriebe beim Auto; die Gedanken können sich auf den Trail fokussieren und sind nicht dadurch abgelenkt, ständig die richtige Unterstützungsstufe wählen zu müssen. Bravo Bosch!

Im downhill macht das Powerfly ebenfalls eine gute Figur, liegt immer stabil und satt auf dem Trail. Länge läuft eben, das höhere Gewicht eines E-MTB bringt dazu eine satte Lage und daß Trek Fahrwerke bauen kann, ist auch nicht neu. Am auffälligsten ist dabei, dass alles sehr unaufgeregt abläuft. Das wäre ja schon fast langweilig, würde man sich nicht öfter dabei ertappen, mit einem derartigen Höllenspeed über den Trail zu brettern, der beim Analogbike bereits für Angstausbrüche sorgen würde.

Qualitätsbewertung: Das Bike funktioniert auch nach über einem Jahr klaglos. Die Serienreifen sind hartem Traileinsatz nicht so recht gewachsen und wurden von uns allen durch Minion in 2,8 Breite ersetzt. Etwas Beachtung verlangen die Laufräder. Die Speichen sollten regelmäßig kontrolliert und nachjustiert werden, was ja keine Affäre ist. Bei meinem Bike hat die Bontrager Sattelstütze nach wenigen Monaten ihr Leben ausgehaucht – Trek hat ohne hin und her den aftermarket Preis erstattet (Danke, das ist Kundenservice) und jetzt werkt eine Fox Stütze in meien Powerfly. Die anderen 3 Piloten hatten noch keine Probleme. Jürgen fährt auf seinem Powerfly in Größe L neuerdings trotzdem eine Fox Transfer mit 150 mm travel, die passt da wunderbar rein und bringt auf dem Trail einen echten Mehrwert. Aufmerksamkeit erfordern das Mino Link und die Schraube der Umlenkwippe: diese haben sich bei allen von uns nach einiger Zeit gelöst und halten erst nach Verkleben mit Schraubensicherung (blau) zuverlässig die Stellung. Auch das Radlager hinten neigt dazu, etwas Spiel zu bekommen – Schraubensicherung mittel schafft auch hier Abhilfe. Das gilt auch für die Rollen des SRAM EX1 Schaltkäfigs, was natürlich nicht Trek spezifisch ist. Die hintere Bremsscheibe mit 180mm bei unseren Bikes, beim Modell 2018 ist bereits serienmässig eine 200`er verbaut, war etwas überfordert, 200mm ist einfach besser bei dem Gewicht. Mit organischen Bremsbelägen ist der Verschleiß recht hoch, auch das ist natürlich nicht Bike spezifisch, mit solchen aus Sintermetall verfielfacht sich die Haltbarkeit, was etwas Bremsperformance kostet aber bequemer und billiger ist. Kettenblatt vorne und Kette waren in der Erstausstattung meist nach ca. 1000 Kilometer auszutauschen. Die Lager sind bei allen 4 Powerflys noch original und völlig intakt. Der Antrieb samt Akku verrichtet seine Arbeit bei uns allen ohne Ausfälle. Ein Kritikpunkt trifft Bosch trotzdem: die Schiebehilfe ist beim Purion nur umständlich zu aktivieren und der Daumen muss derart komisch angewinkelt werden, dass dieser sehr schnell ermüdet; das sollte sich besser lösen lassen.

Insgesamt fällt das Powerly somit durch ein sehr hohes Qualitätsniveau auf. Die Investition von 6.000.-€ für das aktuelle Modell bietet eine sehr belastbare Basis für eine längere Beziehung. Der stabile Unterfahrschutz aus Aluminium schützt den Motor wirkungsvoll vor Feindberührungen. Neben der Technik fällt auch die hohe Qualität der Lackierung auf, sodass das bike auch optisch lange Freude macht.

Fazit: Es gibt mittlerweile viele schöne und auch gute E-MTB auf dem Markt. Die Diskussion, welches denn nun das Beste ist, finde ich müßig und ist angesichts der raschen Veränderungen bei diesem neuen Produktsegment auch nicht seriös zu beantworten.

Würde ich heute ein neues E-MTB kaufen, dann wäre das Trek Powerfly 9 LT Plus sicher wieder in der engsten Auswahl. Diese Aussage findet auch die Zustimmung der anderen 3 Rider auf diesem Bike. Neben dem Produkt selbst spielt dafür natürlich auch der Support eine Rolle. Dieser ist sowohl seitens TREK als auch des TREK Händlers unseres Vertrauens vorbildlich.

Last but not least sei erwähnt, dass bei all den angestellten Betrachtungen immer der Spass am flow, uphill wie downhill, an erster Stelle steht. Und ja, das Trek Powerfly 9 LT Plus macht Spass, jede Menge Spass, um genau zu sein.

Julius

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