E Punkt

Die Nullgradgrenze liegt aktuell höher als die höchsten Berge in der Schweiz. Allein schon der Gedanke an Sport führt zu Schweissausbrüchen und eigentlich sollte „man“ jetzt im Schwimmbad unter einem Schatten spendenden Baum liegen. Das zur Theorie.

Nachdem sich gestern ein latent vorhandener Tourenwunsch dröge seinen Weg durch überhitzte Ganglien gebahnt und bei einer Kleingruppe viral verbreitet hatte, packen Jürgen, Ralf und ich frühmorgens unsere E-Bikes von den Radträgern und beginnen mit der Umsetzung ebendiesen Gedankens. Es ist dämmrig und warm, als wir, begleitet vom leisen Surren der Motoren, den Höhensturm beginnen. Alles eitel Wonne. Zumindest fast, da der Navigator bei seinen Aufgaben etwas gepatzt hat, was einige Höhenmeter kostet. Asche auf mein Haupt.

Mit etwas Verspätung erreichen wir unser Zwischenziel, eine Berghütte, auf der wir uns einen Morgenkaffee gönnen. Filterkaffee vom Frühstückstisch der Hüttengäste zwar nur, weil die Espressomaschine noch „kalt“ ist – kein Drama.

Ab jetzt haben wir nur noch zwei Optionen: uphillflow oder quälendes Schieben, was sich in etwa die Waage hält; vielleicht mit leichtem Vorsprung für den uphillflow. Mörderisch anstrengend ist beides. Wie die Karotte vor dem Esel, locken schon von weitem die karstigen Felsplatten unseres „Zielberges“, was den Mühen etwas an Schärfe nimmt. Und dann sind sie da, die ersehnten, fast blanken, plattigen Kalkfelsen mit ihren charakterischischen Steinmännchen, die den Weg weisen, der jetzt wieder mehr flow zulässt. Die Augen gehen über, während die Waden -trotz Strom- krampfen und wir uns wacker den Weg erkämpfen. Der Gipfel ist schon recht nah, doch schließlich geben wir uns geschlagen. Möglich, ja. Heute zu mühselig, in der jetzt auch in großer Höhe stark zusetzenden Hitze. Zudem, meinem Navigationsfehler geschuldet, sind auch die Akkus nicht mehr ganz so voll, wie gewünscht. Der Cäsar Sager: „veni, vidi, vici“ trifft es heute leider nicht so ganz.

Anyway, wir nutzen die Situation für ein paar entspannte Fotos, was ja auch dazugehört. Der Rückweg hat es dann auch in sich. Ein Trail, der sich mit Klauen und Zähnen gegen die Befahrung wehrt, raubt uns die letzten verbliebenen Körner. Zu Mittag zurück am Ausgangspunkt, das klingt nach nicht viel. Ist aber relativ wie vieles, sind wir doch bereits knapp nach 5 gestartet.

Was bleibt, ist eine neue Erfahrung, sind neue Bilder im Kopf. Zwar waren wir schon früher auf dem avisierten Gipfel, jedesmal mit stundenlangem Tragen des Bikes verbunden. Mit dem E-bike, meist fahrend, machmal schiebend und nie tragend fast bis ganz auf den Gipfel zu kommen, ist allerdings eine gänzlich andere Erfahrung. Und es geht definitiv noch mehr, we come back!

Julius

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